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Angriff auf Zuckerberg: Facebook-Mitgründer fordert Zerschlagung von Facebook

Facebooks Eintritt in die Börse 2012 brachte Chris Hughes fast eine Milliarde US-Dollar ein. Nun schreibt der Mitgründer in einem fast 6.500 Wörter langen Essay in der New York Times, dass das soziale Netzwerk zerschlagen werden muss, um die Nutzer zu schützen und den Wettbewerb zu stärken. Der gigantische Verstoß gegen die Datenschutzbestimmungen im Cambridge-Analytica-Skandal und die Wahlbeeinträchtigung im Jahr 2016 habe ihm die „Gefahren des Facebook-Monopols“ bewusst gemacht.
Seitdem häuften sich die Skandale nach demselben Muster, fügt Hughes hinzu: „Jedes Mal, wenn Facebook Mist baut, wiederholen wir ein erschöpfendes Schema: erst Empörung, dann Enttäuschung und schließlich Resignation.“
Sicherheit und Anstand dem Wachstum geopfert
Hughes schreibt, Zuckerberg habe einen „Leviathan geschaffen, der das Unternehmertum verdrängt und die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher einschränkt“, und seine „beispiellose und unamerikanische“ persönliche Macht sei fast völlig unkontrolliert. Zuckerberg ist CEO, Chairman und Mehrheitsaktionär von Facebook.
„Mark ist eine gute, nette Person“, so Hughes. „Aber ich bin wütend, dass er für seinen Fokus auf das Wachstum die Sicherheit und den Anstand für Klicks geopfert hat. Ich bin enttäuscht von mir selbst und dem frühen Facebook-Team, dass wir nicht mehr darüber nachgedacht haben, wie der Algorithmus in unserem News Feed unsere Kultur verändern, Wahlen beeinflussen und nationalistische Anführer stärken kann. Und ich mache mir Sorgen, dass Mark sich mit einem Team zusammengetan hat, das seine Haltung stärkt, anstatt ihn herauszufordern.“
Hughes schreibt weiter: „Mark wird vielleicht nie einen Chef haben, aber er muss Kontrolle über seine Macht haben. Die amerikanische Regierung muss zwei Dinge tun: das Monopol von Facebook auflösen und das Unternehmen regulieren, um es dem amerikanischen Volk gegenüber rechenschaftspflichtiger zu machen.“

Soziales Netzwerk:

Mit dem Whatsapp-Effekt wiegt Zuckerberg seine Nutzer in Sicherheit

Facebook soll zum privaten Netzwerk werden. Eine 180-Grad-Wende, um Vertrauen zurückzugewinnen. Interessanter ist jedoch, was Konzernchef Zuckerberg alles nicht sagt.

Laut Hughes sollten Facebook, Instagram und Whatsapp in drei börsennotierte Unternehmen aufgeteilt werden. Im Laufe der Zeit sollten Zuckerberg und andere Führungskräfte „wahrscheinlich gezwungen sein, ihre Managementanteile zu veräußern“, fügte er hinzu. Es sollte Facebook auch verboten werden, weitere Akquisitionen zu tätigen, forderte er.
„Größter Gewinner wäre das amerikanische Volk“
Nach Ansicht des Facebook-Mitgründers müssten die amerikanischen Gesetzgeber schnell mit Zuckerberg daran arbeiten, die Backends von Facebook, Instagram und WhatsApp zusammenzufügen. Das ist Teil seiner Pläne, die End-to-end-Verschlüsselung zu erweitern und damit den Fokus des Unternehmens auf den Schutz der Privatsphäre der Nutzer zu verschieben.
Hughes sprach sich auch für die Schaffung einer „neuen Agentur aus, die vom Kongress zur Regulierung von Technologieunternehmen ermächtigt wird“. Eine oberste Priorität für diesen neuen Regulierer sollte der Schutz der Privatsphäre der Nutzer sein. Facebook gehört zu einer Reihe von Silicon-Valley-Giganten, die nach dem Erfolg der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft trat, strengere Datenschutzgesetze fordern.

Digitale Niedriglöhner:

220 Gewaltvideos pro Schicht traumatisieren Facebooks Moderatoren

Der wohl schwerste Job bei Facebook: Videos von Gewalt und Missbrauch sichten und dann löschen. Der Konzern wollte die Arbeitsbedingungen ändern. Getan hat sich wenig.

„Der größte Gewinner wäre das amerikanische Volk“, sagte Hughes über eine Aufspaltung des Konzerns. „Stellen Sie sich einen wettbewerbsintensiven Markt vor, in dem Sie zwischen einem Netzwerk mit höheren Datenschutzstandards, einem Netzwerk mit geringen Werbekosten und einem Netzwerk mit benutzerdefinierten und optimierten Feeds wählen können.“
Facebook reagierte nicht sofort auf die Bitte von Business Insider um einen Kommentar.
Autor: Jake Kanter; Übersetzung aus dem Englischen: Cornelia Meyer

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.Mehr von Business Insider Deutschland:

Bild: Getty Images / Jack Taylor