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Berufseinsteiger: Arbeitsscheu? Jetzt wird ein Vorurteil über die Generation Z entzaubert

„Relativ traditionell und konservativ“ sind die beruflichen Wertvorstellungen der Generation Z laut Forschern.
Nicht nur, dass die jungen Berufseinsteiger überaus selbstbewusst auftreten und sehr viel unbefangener kommunizieren als ältere Kollegen. Die ersten mit dem Internet aufgewachsenen Kohorten haben auch ganz andere Erwartungen an die Arbeit als Vorgängergenerationen.
Die jungen Absolventen hören seit Jahren, dass Fach- und Arbeitskräfte knapp werden und stellen dementsprechend selbstbewusst Forderungen: Sie erwarten spannende Arbeitsplätze, hohe Gehälter und bei all dem auch noch eine angenehme Work-Life-Balance.
„Die beruflichen Wertvorstellungen sind relativ traditionell und konservativ“, sagt dazu Lorenz Schlotter, Leiter des privaten Instituts für Generationenforschung. „Die jungen Leute wollen Achtstundentage mit geregelten Arbeitszeiten und eine strikte Trennung von beruflich und privat.“
Zudem gelten sie als sensible Zeitgenossen, die mit Kritik und Fehlschlägen schlecht umgehen können. Diese Kombination ist für Personaler und Chefs eine Herausforderung. Kein Wunder, dass Vertretern der Generation Z der Ruf vorauseilt, nur begrenzt belastbar und nicht besonders leistungsbereit zu sein.
Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehört, wollten nun herausfinden, wie es tatsächlich um die Leistungsbereitschaft der jüngsten Arbeitnehmer bestellt ist. Sie haben dafür Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) genutzt, einer der umfangreichsten sozialwissenschaftlichen Datensammlungen hierzulande, die auf seit Jahrzehnten stattfindenden Umfragen basiert.

Generationswechsel:

Die Generation Z kommt auf den Arbeitsmarkt – und das ist kein Problem!

Ein Gründer hat Angst vor jungen Jobanwärtern. Ja, die unter 25-Jährigen kommen mit konkreten Forderungen – aber damit sind sie nicht alleine.

Dabei wird auch danach gefragt, wie lange die Teilnehmer pro Woche arbeiten – und wie lange sie tatsächlich gerne arbeiten würden. Und siehe da: die Analyse der IAB-Forscher scheint den Eindruck einer arbeitsscheuen Generation zu bestätigen – allerdings nur auf den ersten Blick. Seit 2009 ist die Wunscharbeitszeit pro Woche bei den Jungen dramatisch gesunken: Frauen bis 25 Jahre wollen statt 33 Stunden pro Woche im Schnitt nur noch 28 Stunden arbeiten, junge Männer statt 38,5 Stunden nur noch knapp 34 Stunden.
Weil die durchschnittliche Wunscharbeitszeit von Männern und Frauen so weit auseinander liegt, haben die Forscher die Daten für beide Geschlechter getrennt ausgewertet. Lehrlinge, Praktikanten, Selbstständige sowie Zivil- und Wehrdienstleistende berücksichtigen sie nicht.
Trost für gebeutelte Arbeitgeber
Untersuchungsleiter Enzo Weber warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen. Er und seine Kollegin Franziska Zimmert haben nämlich bei der Analyse der Daten festgestellt, dass der Rückgang auf zwei Entwicklungen fußt: So sorgt vor allem der Fakt, dass heute weit mehr junge Menschen studieren als früher, dafür, dass die Wunscharbeitszeit so niedrig ist. Klammern die Forscher die Studierenden aus, liegt die Wunscharbeitszeit bei beiden Geschlechtern nahe am langfristigen Schnitt.
„Früher waren junge Leute mit 17 oder 18 Jahren in der Berufsausbildung und mit 20 Jahren im Vollzeitjob“, sagt Weber. „Jetzt studieren sie nach dem Abitur fünf, sechs oder sieben Jahre, und viele arbeiten nebenher in Minijobs. Klar, dass sie neben dem Studium nur wenige Stunden pro Woche arbeiten können und wollen.“ Rechnen die Forscher dann noch alle anderen Minijobber raus, sind die Kurven mit dem langfristigen Schnitt vergleichbar.

Geld ohne Leistung:

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Weniger fleißig als vorangegangenen Generationen scheinen die nach 1995 Geborenen also nicht zu sein. Und für all jene Arbeitgeber, die trotzdem unter den Eigenheiten der Generation Z leiden, hat Thomas Wüllner, Gründer der Personalberatung P4 Career Consultants, noch einen Trost parat.
Wüllner glaubt, dass die sich in den ersten Jahren im Arbeitsleben abschleifen werden. „Diese Menschen sind um die 20 Jahre alt, da wird sich in den kommenden Jahren noch viel tun“, sagt der Berater. „Wenn die in fünf oder zehn Jahren Familie haben oder sich tolle Reisen gönnen wollen, werden sie vielleicht auch anders denken.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.
Bild: Nicole Harrington / Unsplash