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Fiverr und Co.: Wie steht es um den Markt der Freelancer-Jobbörsen?

Freelancer finden ihre Auftraggeber auch über Vermittlungsportale wie Fiverr und Gulp.
Es war die Geburtsstunde der Minijob-Plattformen. 2009 gründeten die Israelis Micha Kaufman und Shai Wininger das Unternehmen Fiverr. Die ursprüngliche Idee: Für fünf Dollar führen Nutzer verschiedenste Arbeiten aus, vom Logodesign bis hin zum Kartenlegen. Schnell schossen in Deutschland ähnliche Startups aus dem Boden. Vermittler wie Fünfi, Fiveo, Gigmich und Sevvn kopierten die Idee, hielten aber jeweils höchstens drei Jahre am Markt durch.
Der Großteil der Kundschaft von Fiverr sitzt in den USA. In Deutschland hat das israelische Unternehmen 2011 schon einmal einen Test gewagt. Im Zuge dessen übersetzten die Macher die Seite zwar, passten sie aber nicht an die Nutzer und den Markt an. Das Projekt ging schief. Zwar konnten deutsche Freelancer und Auftraggeber den Service nutzen, es gab aber weder Marketing noch lokale Events oder Services, um das deutsche Geschäft anzukurbeln. Seit einem halben Jahr nun kümmert sich Falko Kremp genau darum. Der Inselberg-Gründer, der sein Unternehmen im vergangenen Jahr verkauft hat, soll mehr deutschsprachige Nutzer auf die Fiverr-Plattform holen.
In Deutschland waren im Februar etwa 160.000 Nutzer auf der Plattform angemeldet. Seit dem offiziellen Start im November seien knapp 30.000 Anmeldungen dazukommen, sagt Kremp. Rund 20 Prozent der Fiverr-Mitglieder seien Selbstständige, der Rest Auftraggeber. Somit suchen auf Fiverr deutlich mehr Unternehmen einen Freelancer als Freelancer einen Job. „Wenn wir in Deutschland von einem Fachkräftemangel reden, dann sehen wir das auch so in unseren Daten“, sagt der Deutschlandchef.
Falko Kremp ist der neue Deutschlandchef von Fiverr.
Bei der Konkurrenz sieht das anders aus: Von den mehr als 290.000 registrierten deutschen Nutzern auf Freelancer.de, das 2011 von Freelancer.com gekauft wurde, sind Freiberufler die Mehrheit, wie das Unternehmen im Februar auf Nachfrage von Gründerszene mitteilt. Das zwölf Jahre alte Portal verzeichnet ebenfalls Wachstum: In den zwölf Monaten zuvor sei die Zahl der Neuanmeldungen um 13 Prozent gestiegen. Auch das Münchener Startup Gulp zählt mit 90.0000 Selbstständigen laut CEO Ertan Demirel mehr Auftragnehmer als Auftraggeber.
Im vergangenen Halbjahr hatte Freelancer.de laut einer Auswertung von Similarweb durchschnittlich rund 84.000 Seitenaufrufe pro Monat, Tendenz leicht sinkend. Rund 227.000 Mal öffneten Nutzer demnach Gulp, der Trend geht hier jedoch etwas nach oben. Auf Fiverr waren mehr als 37 Millionen Menschen unterwegs, weniger als vier Prozent der Aufrufe kamen laut Similarweb aus Deutschland.
Tech-Jobs sind besonders gefragt
Alle drei Jobbörsen sagen, dass deutsche Auftraggeber im Internet vor allem nach IT-Experten suchen: Grafikdesigner, Entwickler und SEO-Manager beispielsweise. Fiverr will sich daher auch vermehrt auf diese Kategorien fokussieren. Das Unternehmen mache etwa 98 Prozent seines Umsatzes mit der Vermittlung von Tech-Jobs, meint Kremp. Wie viel das Deutschlandgeschäft erwirtschaftet, will er nicht verraten. Es sei aber so viel, „dass wir ihn noch weiter steigern möchten“. Die Plattform finanziert sich über eine Servicegebühr, die sie sowohl vom Auftraggeber als auch auch vom Auftragnehmer verlangt. Jobs für fünf Dollar finden Nutzer auf der Seite nur noch selten, Freelancer können ihre Preise selbst festlegen.
Auf Freelancer.de und Fiverr suchen nach Unternehmensangaben vor allem Startups und Mittelständler nach Freelancern. Für die Unternehmen hat das den Vorteil, dass sie flexible Arbeitskräfte finden können, die eventuell mehr Expertise haben als ihre eigenen festen Mitarbeiter. Vor allem Unternehmen in ländlichen Gebieten profitieren von solchen Portalen.

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Private Kontaktinformationen wie E-Mail-Adressen lassen sich über Fiverr nicht austauschen. Kunden sind gezwungen, über den eigebauten Chat zu kommunizieren, können die Selbstständigen also nicht außerhalb der Plattform kontaktieren und die Servicegebühr umgehen. 
Doch wie effektiv sind die Minijob-Börsen für Freiberufler? „Plattformen wie Freelancer.de und Fiverr spielen bei etablierten Selbstständigen nach meiner Beobachtung eine geringe Rolle“, sagt Andreas Lutz, Chef des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland, gegenüber Gründerszene. Seiner Meinung nach werden Auftragnehmer hier schlecht bezahlt – wenn das Honorar überhaupt komme. Außerdem würden Firmen keine anonymen Dienstleister einstellen wollen, deren Qualität und Verlässlichkeit sie nicht kennen.
Das Buch-Startup Inkitt sieht es anders. Gründer Ali Albazaz ist ein großer Fan von Jobbörsen für Selbstständige, wie er im Gespräch mit Gründerszene sagt. Der Unternehmer startete 2010 mit Fünfi selbst ein Portal für Fünf-Euro-Dienstleistungen, vermittelte damals beispielsweise persönliche Weckdienste, Styleberatungen und Logodesigns. 2013 musste er Fünfi wieder einstellen. Deutschland sei damals noch nicht bereit gewesen für die Gig Economy, sagt Albazaz heute. Seinem Inkitt-Team legt er heute nahe, lieber Dinge von Fiverr-Nutzern erledigen zu lassen, als kleine Aufgaben selbst abzuarbeiten – Videos schneiden oder Voiceovers erstellen zum Beispiel. Da die Mitglieder Festpreise ansetzen, müsse er nicht erst noch mit Freelancern abseits des Portals verhandeln und habe das Ergebnis binnen 24 Stunden auf dem Tisch.

Triff Falko Kremp, Country Manager von Fiverr, auf der HEUREKA – The Startup & Tech Conference am 12. Juni 2019 in Berlin.
Bild: Westend61 / Getty Images