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Gehalts-Untersuchung: Werden Frauen bei Google ungerecht gut bezahlt?

Seit 2012 untersucht Google jedes Jahr sein Gehaltsgefüge.
Der Internetriese Google hat nach Vorwürfen der Ungleichbehandlung im vergangenen Jahr erstmals detailliert öffentlich gemacht, inwieweit Frauen und Männer im Konzern gleich bezahlt werden. Das Ergebnis überrascht: Laut der Untersuchung, die der Konzern intern seit 2012 jedes Jahr abhält, wurden Frauen in einer bestimmten Karrierestufe besser bezahlt als Männer.
Konkret fiel dem von Google eingesetzten Analyse-Algorithmus in der „Gleichbezahlungsanalyse“ eine Gruppe von Ingenieuren einer mittleren Karrierestufe auf, bei der Frauen im Jahr 2018 im Schnitt mehr Geld für die gleiche Arbeit verdienten als Männer.
Bei den „Level 4 Software-Ingenieuren“ wurde Frauen demnach zwar nicht mehr Grundgehalt bezahlt – doch die Vorgesetzten gewährten weiblichen Angestellten im Schnitt mehr variable Bonuszahlungen. Insgesamt wurden nach der Analyse an gut 10.000 Angestellte insgesamt 9,7 Millionen Dollar Ausgleichszahlungen ausgeschüttet – im Schnitt also gerade einmal etwa 970 Dollar pro betroffenem Angestellten.
Frauen werden offenbar niedriger eingestuft
Kritiker des Verfahrens merken in sozialen Medien an, dass das Gehaltslevel innerhalb einer Gruppe das kleinere Problem ist. Viel kritischer sei, dass Google weibliche Angestellte trotz gleicher Qualifikationen systematisch zu niedrig einstuft und nicht gleich oft befördert wie Männer.
Eine entsprechende Sammelklage der ehemaligen Google-Ingenieurin Kelly Ellis und weiteren Ex-Google-Mitarbeiterinnen wird aktuell in Kalifornien verhandelt. Der Vorwurf der Frauen: Schon bei der Einstellung werden Frauen, die ähnlich viel Berufserfahrung und gleiche Qualifikationen wie Männer mitbringen, in niedrigere interne Karrierestufen (Level) eingeordnet als Männer, wodurch sie weniger verdienen.

Gleichstellung:

Der harte Kampf der Google-Mitarbeiterinnen gegen die „Jungs-Kultur“

Weltweit protestierten Google-Angestellte gegen sexuelle Belästigung beim Tech-Konzern. Die Demonstrationen zeigen: Die IT-Branche hat ein grundlegendes Problem.

Zudem seien Frauen in sogenannte nicht technische Karriereleitern eingeordnet worden, die weniger Möglichkeiten für Boni und Beförderungen mit sich bringen. Diese Form der Diskriminierung jedoch falle in der Analyse nicht auf, da die Bezahlung innerhalb der Gruppe gleich sei.
Lauren Barbato, Googles Analystin für Gehaltsfragen, schrieb in ihrem Blogpost zur neuen Analyse, dass ihr das Problem der Einstufung bekannt sei: „Da die Einstufung, Leistungsbewertungen und Beförderungen die Bezahlung beeinflussen, werden wir im laufenden Jahr die entsprechenden Verfahren umfassend untersuchen“, beschwichtigte sie die Kritiker. Dass Google nun die eigentlich interne Studie ausführlich veröffentlicht und dabei betont, man bezahle ausgerechnet weiblichen Ingenieuren im Vergleich mehr Geld, kann auch Prozessstrategie im laufenden Verfahren sein.
Hat Google ein Sexismus-Problem?
Ob das reicht, um die protestierenden Google-Angestellten zufriedenzustellen, bleibt abzuwarten: Im November vergangenen Jahres waren Hunderte Google-Angestellte an Standorten weltweit auf die Straße gegangen, um gegen Diskriminierung, sexuellen Missbrauch und Mobbing im Konzern zu demonstrieren.
Auf der anderen Seite beschweren sich Angestellte intern über zu steife Gleichstellungsrichtlinien, die angeblich die Leistungsfähigkeit von Teams mindern. Als ein Google-Mitarbeiter seinen Ärger darüber 2017 in einem internen Memo kundtat, löste er eine heftige Debatte aus – und wurde gefeuert, da er gegen Richtlinien zur Erhaltung des Betriebsfriedens verstoßen hatte.
Google-CEO Sundar Pichai hatte im November nach den Protesten angekündigt, er stelle sich auf die Seite seiner Angestellten und wolle Abhilfe schaffen. Er versprach konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitskultur, entschuldigte sich und gab zu, dass der Konzern seine eigenen hohen Standards bislang nicht immer erfülle. Doch inwieweit das Management eine „Jungs-Kultur“ seiner Angestellten per Memo oder Studie abstellen kann, ist zweifelhaft.
Bislang sind mehr als zwei Drittel aller Angestellten von Google männlich, in den Ingenieursteams liegt die Quote noch höher. Die Zahlen sind Indikator für ein grundlegendes Geschlechterproblem der IT-Branche: Die Anzahl männlicher Software-Ingenieure überwiegt bereits im Bewerbungsprozess, da zu wenig Frauen entsprechende Informatikstudiengänge ergreifen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de.
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