- Business

Geld für Startups: Neuer Fonds soll Venture Capital nach Ostdeutschland bringen

Die Männer von Smart Infrastructure Ventures (von links nach rechts): Stephan Stubner (HHL Leipzig), Dirk Frohnert (General Partner), Thorsten Kasten (VNG), Eric Weber (Spinlab Leipzig), Björn Bauermeister (General Partner) und Bodo Rodestock (VNG)
Fayteq aus Erfurt wurde 2017 von Facebook gekauft, Staffbase aus Chemnitz verkündete gerade erst ein 20-Millionen-Investment. Startup-Erfolge wie diese gebe es in Ostdeutschland eigentlich viele – durch die Nähe zu Universitäten und Forschungsinstituten besonders im Hochtechnologiebereich, sagt Eric Weber. Er ist Chef des Leipziger Accelerator-Programms Spinlab und Mitinitiator des neuen VC-Fonds Smart Infrastructure Ventures. „Doch es fehlt einfach an privatem Kapital in Ostdeutschland.“ Warum ist das so? Vielleicht weil das Unternehmertum noch nicht so verankert in der ostdeutschen DNA sei und die Vermögensbasis kleiner, vermutet Weber im Gespräch mit Gründerszene. Das habe man besonders bemerkt, als man für den Fonds um lokale Investoren geworben habe.
Laut EY-Startup-Barometer flossen im vergangenen Jahr insgesamt 91 Millionen Euro an VC-Geld nach Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Für Sachsen-Anhalt gab es keine Zahlen. In Berlin allein waren es 2,6 Milliarden. Gemessen an der Anzahl der Startups schätzt Weber das Defizit an Venture Capital auf 100 bis 200 Millionen Euro. „Diese Lücke bietet große Marktchancen für uns als erster privater VC vor Ort.“
Den Fonds hat Weber gemeinsam mit Dirk Frohnert und Björn Baumeister aufgebaut, die nun als General Partner agieren. Beide haben viele Jahre in der Investmentbranche in London gearbeitet. Als Business Angels waren sie außerdem unter anderem am Fintech Revolut beteiligt.
Laut den Partnern steckt im Geldtopf von Smart Infrastructure Ventures ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag. Wie der Name verrät, liegt der Fokus auf Startups aus dem Bereich smarte Infrastruktur, also Themen wie Smart City, Energie oder Digital Health. Man konzentriere sich dabei auf Firmen in der Frühphase, sagt Frohnert. „Und mit Early Stage meinen wir auch wirklich early.“

App-Downloads:

N26 vs. Revolut – welches Banking-Startup wächst schneller?

Mehrere tausend Kunden gewinnen die Banking-Startups N26 und Revolut pro Tag. Doch wie viele sind es insgesamt? Wir haben die Download-Statistik ausgewertet.

Es sei allerdings keine Voraussetzung für ein Investment, dass die Startups aus den neuen Bundesländern stammen. Die Partner wollen deutschlandweit investieren. Dennoch: „Unser Netzwerk ist sicherlich am Besten in der Region Mitteldeutschland, das ist auch unser USP“, sagt Bauermeister. Vier bis fünf Investments pro Jahr sind geplant, das erste soll noch in diesem Quartal bekannt gegeben werden.
Hauptgeldgeber sind der Leipziger Energiekonzern VNG und und die Sächsische Aufbaubank. Auch Business Angels wie David Dimitrov und Roman Dudenhausen haben sich beteiligt. Viele der Geldgeber würden sich mit der Region verbunden fühlen, weil sie aktuell dort wohnten oder zu einem früheren Zeitpunkt einmal dort gelebt hätten, sagt Bauermeister. 
Bild: Smart Infrastructure Ventures/ Eric Kemnitz