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Internet of Things: Fetch.ai soll ein „Google für IoT-Geräte“ werden

Wenn der Elektro-Scooter mit der Ladesäule verhandelt: Maria Minaricova und Troels Rønnow von Fetch.ai entwickeln eine Technologie, die das ermöglichen soll. 
Ein Startup aus der englischen Universitätsstadt Cambridge will die Mobilität nutzerfreundlicher machen. Die Computerwissenschaftler von Fetch.ai kombinieren dazu die Technologien von Blockchain und dem Internet der Dinge. Ihre Idee sind autonome digitale Makler (Agents), die mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet sind und dafür sorgen sollen, dass eine Reise klappt und die Wünsche der Reisenden erfüllt werden. Diese digitalen Agents sollen sich untereinander vernetzen und miteinander Verträge für Dienstleistungen abschließen, die dann auch automatisch abgerechnet werden. 
Das Startup hat jetzt die Smart E-Mobility Challenge der Trusted IoT Alliance (TIoTA) gewonnen, einem Zusammenschluss von 50 Startups und industriellen Unternehmen. Gemeinsam wollen sie die Elektromobilität nutzerfreundlicher machen. 
Buchung in der Blockchain
Das fängt zum Beispiel mit dem Laden der Batterie an. Die Software findet nicht nur den nächstgelegenen Ladepunkt. Sie vergleicht auch die Tarife verschiedener Anbieter und verhandelt selbstständig den günstigsten Preis und das Zeitfenster fürs Laden, erklärt Chef-Entwickler Troels Rønnow die Vision des Startups. „Unterschiedliche digitale Agents treten autonom miteinander in Kontakt.“ Der Vertrag über den Kauf des Stroms wird schließlich in einer Blockchain hinterlegt. „So entwickeln wir ein Ökosystem für den Transport.“ Dabei verhandelt das Auto oder der Scooter mit der Ladesäule, nicht mehr der Mensch.
Auch weitere Dienste werden in der Zukunft von solchen digitalen Agents verhandelt: das Finden und Buchen eines Parkplatzes, die Reservierung eines Platzes im Restaurant, die Buchung eines Hotels, eines Mietwagens oder eines Flugs. „Der Nutzer muss nicht mehr Stunden mit dem Finden von Dienstleistungen verbringen“, sagt Maria Minaricova, die bei Fetch.ai die Produktentwicklung verantwortet. „Die Software kann auch Voraussagen treffen und Nutzern Optionen anbieten“, ergänzt Troels Rønnow, der seine Plattform als eine Art „Google für IoT-Geräte“ beschreibt. „Wenn es regnet, wird der Nutzer mit einem Auto fahren wollen. Wenn die Sonne scheint, mit einem Scooter.“ Auch das berücksichtigt die intelligente Software.
T-Labs unterstützen Fetch.ai
Das 2017 gegründete Startup will bis zum Sommer 2019 einen Prototypen mit den wichtigsten Features fertig haben. Im Dezember soll die Infrastruktur der Plattform dann soweit stehen, dass im Jahr 2020 Unternehmen aus der Mobilitätsbranche dabei unterstützt werden können, eigene digitale Agents zu entwickeln.
Unterstützt wird Fetch.ai von den T-Labs der Deutschen Telekom. „Wir sind ein Infrastruktur-Unternehmen“, sagt John Calian, Chef der T-Labs. Es stelle die Konnektivität zur Verfügung, die für Technologien wie jene von Fetch.ai erforderlich sei. Ziel sei auch, neue Märkte und neue Geschäftsmodelle zu entdecken.
Sechs Millionen mit Tokens geraist
„Im Februar 2019 haben wir bei einem Crowdsourcing über den Verkauf von Tokens [virtuelle Anteile am Projekt des Startups, d.Red.] in 22 Sekunden sechs Millionen Dollar geraist“, sagt Troels Rønnow von Fetch.ai.
Die möglichen Geschäftsmodelle des Startups stehen noch nicht endgültig fest. „Wir werden aus unseren Daten Wissen extrahieren, Einsichten gewinnen und Vorhersagen treffen können“, sagt Maria Minaricova. Eventuell will das Startup einen eigenen Agent betreiben. Am Ende werde es darum gehen, das Internet of Things zu einer „Economy of Things“ zu entwickeln, sagt Minaricova.
Bosch plant Economy of Things
Ein solches Wirtschaftssystem zu etablieren, ist auch Absicht des Technologiekonzerns Bosch, auf dessen Hausmesse (Bosch Connected World) in Berlin, auf der Fetch.ai seine Idee präsentierte. „In Zukunft werden Dinge nicht nur kommunikativ vernetzt sein, sondern auch miteinander Geschäftsbeziehungen pflegen“, sagte CEO Volkmar Denner. Bosch arbeitet mit seinen Partnern daran, dass die vernetzten Dinge künftig in sicheren Ökosystemen kommunizieren und auch interagieren.  
Bild: Jürgen Stüber