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Lisa und Nico Jaspers: Kind und Startup? Zwei Berliner Gründer erzählen, wie sie beides vereinen

Wer gründet, arbeitet oft bis nachts und am Wochenende. Ständig kommt etwas dazwischen. Wo bleibt da noch Zeit für Kinder?, fragen sich Gründer und besonders Gründerinnen häufig. 
Lisa Jaspers hat das Label Folkdays für nachhaltig hergestellte Mode und Accessoires gestartet, ihr Mann Nico Jaspers ist Gründer des millionenfinanzierten Marktforschungs-Startups Dalia Research. Im Frühjahr erwarten die beiden ihr zweites Kind, schon nach der Geburt ihres ersten Kindes musste keiner der beiden lange im Job aussetzen.
Ständig werden Lisa und Nico Jaspers gefragt, wie sie beides schaffen und sich organisieren. Im Interview sprechen die beiden Unternehmer über die Vereinbarkeit von Familie und Gründerleben.
Lisa, Nico, ihr habt beide euer eigenes Startup gegründet. Euer Sohn Eli ist nun 15 Monate alt, im Frühjahr kommt das zweite Kind. Wie schafft ihr es, Kind und Job zu vereinen?
Lisa: Das Allerwichtigste ist, dass man vorher über die Aufteilung spricht – sogar schon vor der Schwangerschaft und auch ganz konkret. Alle sagen zwar immer, es kommt doch anders als geplant. Aber bei uns klappte es genauso, wie wir es uns vorher überlegt hatten.
Wie habt ihr es also aufgeteilt?
Lisa: Ich habe in den ersten drei Monaten voll gestillt. In dieser Zeit war ich noch alleine für Eli zuständig und Nico kam abends früh nach Hause, um mich zu unterstützen. 
Und nach den ersten drei Monaten?
Lisa: Ab dem vierten Monat haben wir uns aufgeteilt. Ich hatte Eli bis 13.30 Uhr meistens mit im Büro, was kein Problem war, weil wir nur ein kleines Team sind. Danach hat Nico ihn übernommen und mit in sein Büro genommen. Dafür habe ich dann Muttermilch abgepumpt und Nico mitgegeben. Später, so ab dem fünften Monat, hat Eli dann einfach fertige Pre-Milch bekommen, als er bei Nico war.Nico: In diesen Monaten habe ich viele meiner Meetings auf nachmittags geschoben. Ich habe mich mit meinen Kollegen oft an hohe Tische gestellt, damit ich Eli in einer Babytrage vor mir hertragen konnte. So haben Lisa und ich uns aufgeteilt bis Eli fast acht Monate alt war, also etwa fünf Monate lang.
Nico, dein Startup beschäftigt 42 Mitarbeiter. Wie haben die reagiert, als Eli plötzlich nachmittags mit ins Büro kam?
Nico: Die waren super verständnisvoll. Aber natürlich gibt es auch Grenzen. Es ist zum Beispiel nicht cool, wenn ein Meeting sehr ernst ist und dann ständig ein Kind plärrt.Lisa: Du hast sogar mal ein Bewerbungsgespräch geführt, bei dem Eli dabei war, oder?Nico: Ja, das war schon etwas heikel, weil es ja immer sein kann, dass dein Baby anfängt zu schreien. Aber im Endeffekt geht es mir als Gründer auch darum, meinen Mitarbeitern vorzuleben, dass Job und Kind vereinbar sind.
Es gab also keine Mitarbeiter, die genervt waren?
Nico: Nein, gar nicht. Die fragen jetzt sogar immer, wann ich Eli denn mal wieder mitbringe. Mein Ziel ist es, gute Leute ins Unternehmen zu holen und meine Mitarbeiter zu inspirieren. Der Effekt war insgesamt sehr positiv. Es macht mich als Gründer viel menschlicher, dass auch ich mich um mein Kind kümmern muss. Ich glaube, die Mitarbeiter vertrauen mir seitdem mehr.
Lisa, dein Startup Folkdays beschäftigt acht Mitarbeiter. Was hat sich für dich verändert, seitdem du Mutter bist?
Lisa: Mein Mitgründer und ich haben die Aufgaben klar verteilt und natürlich sind in den ersten drei Monaten ein paar Sachen liegen geblieben. Ein großer Vorteil für mich als Gründerin ist aber, dass ich – trotz des Stresses – viel gelassener bin, seitdem ich Mutter bin.
Wir habt ihr Eli nach dem achten Monat betreut?
Nico: Da hatten wir eine Kinderfrau von 10 bis 14 Uhr. Und ich habe meinen Arbeitstag früher begonnen, oft schon um 6 Uhr morgens, um abends mehr Zeit zu haben.Lisa: Und mein Tag hat sich nach hinten verschoben, weil ich meistens länger bei mir im Büro bin. So konnte ich Eli morgens übernehmen. Mittlerweile ist er aber in der Kita. 
Gab es große Diskussionen und Streits, bis ihr Euch auf diese Aufteilung geeinigt habt?
Lisa: Natürlich gab es immer wieder Diskussionen, weil sich ja doch ständig etwas verschiebt. Entscheidend ist dann die Grundeinstellung: Wir teilen uns das auf! Da muss man gerade als Frau auch das schlechte Gewissen ablegen. Denn nur, wenn man als Mutter zufrieden ist, ist auch das Kind zufrieden.Nico: Und natürlich ist es wichtig, dass die Beziehung der Eltern glücklich ist. Denn das ist für das Familienleben entscheidend. Wäre ich den ganzen Tag im Büro und könnte spannende Gespräche führen und Lisa dürfte nur einkaufen und Windeln wechseln, wären wir als Paar nicht glücklich.
Lässt sich euer Modell übertragen?
Lisa: Unsere Situation ist schon außergewöhnlich. Wir sind beide Gründer und deswegen sehr flexibel. Unsere Büros lagen anfangs nur wenige Minuten von einander entfernt und auch unsere Wohnung ist nicht weit.Nico: Und deine Eltern wohnen in der Nähe, das hilft auch.Lisa: Jede Frau kann sich fragen: Warum soll ich als Mutter alleine zuständig sein? Klar, am Anfang stillt man. Aber danach? Dann kann auch der Mann oder Freund übernehmen, das ist immer irgendwie möglich. Deswegen sollten alle Eltern diese Diskussion führen.
Bild: Nico Jaspers; Dieser Artikel erschien zuerst am 26. November 2018.