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Medizintechnik: Mit dieser Computerbrille fahren Chirurgen durch den Körper der Patienten

Die KI-Software von ApoQlar erstellt aus MRT-Aufnahmen dreidimensionale virtuelle Bilder, die dem Arzt bei der Beratung (Foto) und bei der Operation helfen.
Als Sirko Pelzl vor drei Jahren zum ersten Mal die Mixed-Reality-Brille HoloLens von Microsoft in den Händen hielt, hatte er eine Idee. Die Brille könnte Chirurgen helfen, sich während einer Operation besser zu orientieren. Gemeinsam mit dem HNO-Arzt Hans-Jürgen von Lücken und weiteren Ärzten entwickelten er und sein Team die Idee, aus MRT-Aufnahmen dreidimensionale Bilder zu erzeugen. Diese werden in das Sichtfeld des Chirurgen eingeblendet. Die Magnetresonanztomographie, abgekürzt MRT, ist ein radiologisches Diagnoseverfahren, das mit einem Ma­gnet­feld und Ra­dio­wel­len Schicht­auf­nah­men von Kör­per­re­gi­on an­fer­ti­gt.
Pelzl und sein Team entwickelten eine Software, die aus 300 bis 500 Aufnahmen einzelner Schichten einer Körperregion ein dreidimensionales Bild errechnet. „Auf diese Weise können wir ein vollständiges Abbild mit sämtlichen anatomischen Strukturen darstellen“, sagt der Erfinder. Mit Gesten oder Sprachbefehlen kann der Arzt das Bild zoomen und drehen. Künstliche Intelligenz und kontinuierliches maschinelles Lernen helfen, die Daten besser auszuwerten.
Die Software Virtual Surgery Intelligence (VSI) erspart dem Arzt, sich vor der Operation Befunde einprägen oder während des Eingriffs auf einen Monitor schauen zu müssen – was die Operation verkürzt und damit Geld spart. So haben Operateure das Innere ihres Patienten stets vor Augen.
Präzise Operation durch virtuelle Bilder
Dieses virtuelle Bild lässt sich auch auf den Patienten projizieren. Es wird mit Hilfe von Biometrie millimetergenau justiert und so an die Anatomie des Patienten angepasst. „Das erleichtert dem Operateur beispielsweise, die Lage von Nierensteinen zu erkennen“, sagt Sirko Pelzl.
Die VSI-Software unterstützt den Arzt auch bei der Patientenaufklärung. Dann tragen Arzt und Patient jeweils eine HoloLens und sehen sich gemeinsam eine MRT-Aufnahme an. So kann der Chirurg den Patienten über den geplanten Eingriff informieren und ihm erklären, wie die Operation verlaufen wird.
Die Software, die bereits in sechs deutschen Krankenhäusern eingesetzt wird, wurde kürzlich in Berlin mit dem Digitalen Gesundheitspreis 2019 der Pharmakonzerne Novartis und Sandoz ausgezeichnet. Das Preisgeld von 25.000 Euro wird dem Startup helfen,  sein Programm zu kommerzialisieren und weiterzuentwickeln. „Es gibt viel zu tun. Alle zwei Wochen erhält unsere Software ein Update“, sagt Sirko Pelzl, der das Unternehmen apoQlar, das hinter der Software steht, ohne Wagniskapital gegründet hat.
NDR-Video zeigt Einsatz der Computerbrille
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Bild: apoQlar