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Möbel-Sharing : Warum Ikea jetzt Möbel zum Mieten anbieten will

Im Herbst will Ikea mit dem Vermieten von Betten starten.
Die monatliche Miete könnte künftig nicht nur für die Wohnung, sondern auch für den Esstisch fällig werden. Zumindest hoffen etliche Einzelhändler darauf, dass künftig immer mehr Menschen nicht nur Autos, Fahrräder oder Musik ausleihen, sondern auch Möbel. Studentenwohnungen lassen sich so zügig mit Schlafsofas bestücken oder Büros mit Schreibtischen. Entsprechende Modellversuche hat gerade Ikea in mehreren Ländern gestartet. Im Herbst soll es auch in Deutschland losgehen. 
Angesichts der zunehmenden Online-Konkurrenz muss sich der weltgrößte Möbelkonzern etwas Neues einfallen lassen. Angebote zur Miete sollen Möbel auch für Käufer erschwinglich machen, die den Gesamtpreis an der Kasse sonst nicht hingeblättert hätten. „Die Leute haben manchmal einfach kein Geld, gleich einen ganzen Raum einzurichten“, erläuterte Ikea-Chef Jesper Brodin kürzlich.
Möbel teilen fürs gute Gewissen 
Dieses Argument gilt im Grunde auch für die klassische Ratenzahlung, bei der ein größerer Kaufpreis über die Zeit in kleinen Beträgen abgestottert wird. Aber für das Mieten von Möbeln spricht aus Sicht der Kunden noch etwas anderes: Wer sich Schränke und Co nur auf Zeit ausleiht, kann leichter auf dem neuesten Stand bleiben und ausrangierte Dinge einfach wieder zurückgeben. Geboten wird zudem ein gutes Gewissen, denn werden gemietete Produkte mehrfach eingesetzt, verlängert sich deren Lebensdauer. Das spart Rohstoffe und erleichtert das Recycling. 

Online-Mietservice:

Grover – das Spotify für Unterhaltungselektronik

Nicht kaufen, sondern mieten. Das ist das Modell von Grover. Über das Startup können Kunden neue Tech-Hardware wie Smartphones testen. Bezahlt wird pro Monat.

Derzeit testet Ikea, wie sich Schreibtische oder Betten vermieten lassen. Weitere Einrichtungsgegenstände dürften über die Zeit hinzukommen. 2030 soll dann ein Großteil der Produktpalette zur Miete erhältlich sein, wie die für Nachhaltigkeit zuständige Managerin Pia Heidenmark Cook erklärt. Auch Konkurrenten haben das Geschäft für sich entdeckt, etwa der Versandhändler Otto. Angetrieben vom Erfolg mit anderen Leih-Angeboten führte das Startup Otto Now zum Jahreswechsel ebenfalls Möbel zum Verleih ein. Statt wie in Möbelhäusern üblich Monate auf einen gekauften Tisch oder ein Bett zu warten, können so Wohnungen auch kurzfristig eingerichtet werden. Die Nachfrage ist offenbar groß. Jedenfalls soll das Angebot nach offiziellem Bekunden ausgebaut werden. 
Sharing-Angebote reizen vor allem Millennials 
In anderen Lebensbereichen hat der Trend „Teilen statt Besitzen“ schon längst Einzug gehalten. Vor allem in Großstädten nutzen immer mehr Menschen Carsharing-Modelle und verzichten auf ein eigenes Fahrzeug oder steigen gegen eine Gebühr auf das Leih-Fahrrad am Straßenrand. Ähnlich läuft es im Musikgeschäft: Dank Streaming-Anbietern wie Spotify, Apple Music oder Deezer sind die Regale zu Hause nur noch selten mit CDs oder auch DVDs vollgestopft. Gerade bei den unter 30-Jährigen zieht das Geschäftsmodell. 
Für Unternehmen, die Produkte zur Miete anbieten, spielt allerdings auch die Frage eine Rolle, wie gemietete Gegenstände nach dem Gebrauch durch mehrere verschiedene Nutzer aussehen. Die Sorge vor Rückläufern in katastrophalem Zustand sei aber unbegründet, heißt es bei der Supermarktkette Real, die in ihrem Onlineshop Spielzeug und Kinderausstattung wie Fahrradanhänger zur Miete anbietet. Nur rund fünf Prozent aller Retouren müssten aussortiert werden, weil sie zu stark abgenutzt oder gar beschädigt seien.
Bild: IKEA Deutschland/André Grohe