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Mobilität: Berliner Senat erwartet mehrere Tausend Elektro-Tretroller in der Stadt

Mobilität auf einen Blick: Eine Frau benutzt in Berlin die App Jelbi der BVG.
Den neuen Mobilitätshub der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu finden, ist nicht ganz einfach. Hinter dem Einkaufszentrum an der Schönhauser Allee, 300 Meter Fußweg von der Tram- und U-Bahn-Staton entfernt an der Greifenhagener Straße, stehen aufgereiht Mietautos, Elektromotorroller, Leihfahrräder und demnächst auch E-Scooter auf einem Parkplatz. Und sogar Wlan gibt es. Die Ortswahl steht für das Dilemma der urbanen Verkehrsplanung: Platz ist knapp in Metropolen. Und er wird noch knapper.
Die BVG wählte diesen Ort, um ihre neue Universal-App Jelbi vorzustellen. Sie ermöglicht es Nutzern, nach einer einmaligen Anmeldung Tickets für Busse und Bahnen zu lösen und Mietfahrräder von Nextbike, Elektromotorräder von Emmy und Mietautos von Miles zu buchen. „Die Vernetzung des öffentlichen Raums ist total wichtig für das Land Berlin“, sagte BVG-Chefin Sigrid Nikutta.

App für urbane Mobilität:

„Wir werden uns zwischen Parkplätzen und Parks entscheiden müssen“

U-Bahn, Leihräder und Mietautos in einem: Was die Berliner Verkehrsbetriebe und das Startup Trafi mit ihrer neuen App vorhaben, erklärt BVG-Vorstand Henrik Haenecke im Interview.

Die Software stammt vom litauischen Startup Trafi, das die Berliner App wegen der Größe der Stadt und der Vielfalt an Mobilitätsangeboten als ihr aktuelles „Flagship“ versteht, wie Mitgründer Algimantas Krasauskas sagte. „Sie gibt uns die Möglichkeit, unsere Technologie vorzuführen.“ Wie es heißt, gibt es bereits eine Reihe anderer europäischer Städte, die sich für die Software interessieren.
Swiftmile liefert Strom für Tretroller
Colin Roche ist eigens zur Eröffnung des Mobilitätshubs aus Kalifornien angereist und wundert sich über die Hitze in Berlin. Der CEO des Startups Swiftmile zeigt stolz seine neue Ladestation für acht E-Scooter. „Sie wissen ja, was in San Francisco los war“, erinnert er an das Chaos, als die Scooter-Welle vor einem Jahr in die US-Stadt schwappte und Tausende Roller die Straßen verstopften. Auf Gehwegen, in Grünanlagen und Einfahrten – überall lagen die Roller herum, über die Menschen stolperten, bis die Stadt die Notbremse zog und kurzerhand die von Vermietern wie Bird, Lime und Uber angebotenen Fahrzeuge verbot.
Ein solches Chaos droht auch Berlin und anderen deutschen Städten, wenn voraussichtlich nächste Woche elektrische Tretroller zugelassen werden. „Wir rechnen mit mehreren Tausend Geräten vor allem in der City“, sagte Jan Thomsen, der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Acht Anbieter hätten sich gemeldet: Bird, BlueScooters, Flash (jetzt: Circ!), Float, Hive (Mytaxi, Daimler), Lime, Tier Mobility und VOI. Hinzu kommen rund 14.000 Leihfahrräder in der Stadt.
Auflagen für Tretroller-Vermieter
Es gibt zwar keine Verträge, doch die Anbieter sind an Auflagen gebunden: Die Scooter dürfen nicht im Weg stehen (schon gar nicht vor Eingängen von U-Bahnen und Fahrstühlen), mehr als vier auf einer Stelle sind nicht erlaubt (sonst gilt das als antragspflichtige Sondernutzung öffentlichen Straßenlands) und defekte Fahrzeuge müssen binnen 24 Stunden entfernt werden, teilt die Verwaltung mit. Für Kontrollen sind (in erster Linie) die Ordnungsämter der Bezirke zuständig. „Ob diese Regeln nachzuschärfen sind, werden wir genau beobachten“, sagte Thomsen.
„Es ist absehbar, dass es auch zu Flächenkonkurrenzen und Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern kommen kann“, erklärt Thomsen auf Anfrage von Gründerszene. „Grundsätzlich treibt Berlin (mit dem bundesweit einzigartigen Mobilitätsgesetz) eine Neuaufteilung des Verkehrsraums zugunsten von Verkehrsmitteln des Umweltverbundes voran, also ausdrücklich dem Rad-, Fuß-, Bahn- und Busverkehr.“

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Tier Mobility wird seine Scooter über eine eigene sowie die am Montag präsentierte Jelbi-App der BVG im Freefloating-Service anbieten – das bedeutet stationslos. Mit zunächst einer Ausnahme: Auf dem Mobility Hub an der Greifenhagener Straße nimmt Swiftmile seine erste Abstell- und Ladestation in Betrieb, an der Nutzer ihre Roller sicher abstellen, verriegeln und die Batterien aufladen können.
Colin Roche verweist auf Erfolge in der US-Hauptstadt Washington, wo zahlreiche seiner Docking-Stationen für Tretroller und E-Bikes stehen – manche sogar mit Photovoltaik. Das System ist universell und eignet sich für alle Hersteller. „Scooter-Fahrer, die den Service nutzen, erhalten eine Gutschrift, wenn sie den Roller aufladen“, sagt Roche.

Bild: BVG/Oliver Lang – Video: Jürgen Stüber