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Neue Geschäftszahlen: „Freeletics wird 2019 keinen Gewinn mehr machen“

Daniel Sobhani ist seit 2014 CEO von Freeletics.
Vergangenes Jahr schaffte das Fitness-Startup Freeletics nach fünf Jahren Bootstrapping den Exit. Eine Gruppe von US-Investoren kaufte die Gründer Andrej Matijczak, Mehmet Yilmaz und Joshua Cornelius für einen zweistelligen Millionenbetrag aus dem Unternehmen heraus, drei Monate später schossen sie weitere 40 Millionen nach. Damals schwieg sich Geschäftsführer Daniel Sobhani im Gründerszene-Interview bezüglich der Umsätze und Gewinne der Vorjahre noch aus.
Jetzt hat Freeletics zumindest seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 veröffentlicht. Demnach setzte die Firma, die Fitnessübungen per App anbietet, 2017 insgesamt 22,29 Millionen Euro um – rund 1,5 Millionen mehr als im Vorjahr. Allerdings lag das Umsatzwachstum unter dem des Vorjahres. Von 2015 auf 2016 war der Umsatz um fünf Millionen Euro gestiegen, davor sogar um elf Millionen.
Insbesondere die gestiegene Nutzerzahl trug 2017 laut Geschäftsbericht zum Umsatzwachstum bei. In dem Jahr nutzten weltweit 15 Millionen Menschen die Apps der Firma, vier Millionen mehr als 2016. Heute, im März 2019, sind es laut einer Freeletics-Sprecherin 34 Millionen. Ob und wie das Fitness-Startup dieses hohe Nutzerwachstum beibehalten will, kommentierte CEO Daniel Sobhani im Gespräch mit Gründerszene nicht. „Wir messen uns nicht ausschließlich in Nutzerzahlen. Für uns ist wichtig, dass wir eine nachhaltig wachsende Firma aufbauen, da sind Umsatzzahlen und Retention wichtiger“, sagt der 34-Jährige.

Created with Highstock 6.0.7Von Null auf 34 Millionen in 6 JahrenDas Nutzerwachstum von Freeletics im Laufe der Jahre10/201305/201412/201510/201604/201708/201803/20190Mio10Mio20Mio30Mio40MioGründerszene

Auffällig ist: Der Gewinn von Freeletics lag 2017 mit rund 267.000 Euro deutlich unter dem des Vorjahres. Damals verzeichnete die Firma einen Überschuss von 1,06 Millionen. Das liegt laut Geschäftsbericht insbesondere daran, dass Freeletics „erheblich in die Entwicklung neuer und Weiterentwicklung bestehender Produkte“ investiert hat. Außerdem beauftragte die Firma eine externe Agentur mit der Wartung ihrer Apps. Insgesamt beliefen sich die sonstigen betrieblichen Aufwendungen 2017 auf 13,33 Millionen Euro.
2018 seien die Investitionen noch höher gewesen und würden nun weiter steigen, sagt Sobhani. „Wir werden 2019 gar keinen Gewinn mehr machen. Die ganze Idee eines Investments ist schließlich, dass wir in Wachstumsfelder der Zukunft investieren können.“ Konkret fließe das Geld in die Erweiterung des Trainingsangebotes, die Personalisierung der Coachings sowie die weitere Expansion. „Unser Fokus liegt stark auf dem amerikanischen Markt, aber auch Asien wird Ende 2019 und Anfang 2020 in den Fokus rücken“, so Sobhani. Derzeit hat Freeletics laut einer Sprecherin Nutzer in mehr als 160 Ländern.

CEO Daniel Sobhani:

„Die Investoren erwarten, dass Freeletics das Geschäft verzehnfacht“

Vor wenigen Tagen hat eine Investorengruppe die bekannte Fitness-App Freeletics gekauft – und setzt auf starkes Wachstum. Wie geht es weiter für das Münchner Startup?

Im Interview mit Gründerszene hatte Sobhani im August vergangenen Jahres gesagt, die Investoren würden erwarten, dass sich das Geschäft verzehnfacht. 2019 werde man das noch nicht schaffen, sagte er nun, man sei aber auf einem guten Weg: „Wir haben einen sehr ambitionierten Plan aufgesetzt und sind damit aktuell voll im Soll.“ 2019 werde man „im deutlich zweistelligen Prozentbereich“ wachsen.
Dafür wird Freeletics laut Sobhani kräftig Personal einstellen. Nachdem die Mitarbeiterzahl seit 2016 bei rund 120 stagnierte, rechnet der CEO 2019 mit einem Mitarbeiterzuwachs von 30 Prozent. Ein zweiter Standort außerhalb von München sei trotzdem nicht geplant, Mitarbeiter aus dem Ausland seien remote für Freeletics tätig.
Bild: Freeletics