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New Space : Welche Konsequenzen der Bund aus der PTScientists-Insolvenz zieht

Sollen 2021 zum Mond fliegen: Die Simulation zeigt die Mondfähre Alina und einen Rover von PT Scientists.
Keine zwei Monate ist es her, da verbreitete das Berliner New-Space-Startup PTScientists noch Optimismus: Das Unternehmen, das 2021 zum Mond fliegen will, gab eine Kooperation mit dem Weltraumkonzern Ariane-Group bekannt. Damals ging es um das Vorhaben, Dienstleistungen auf dem Mond anzubieten – etwa ein Funknetz für ein Internet der Dinge. 
Jetzt musste Robert Boehme, Gründer und CEO von PT Scientists, Insolvenz anmelden. Beim Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde war es zu ungeplanten Verzögerungen gekommen. Doch der Betrieb geht weiter: „Der Insolvenzantrag wirft uns zeitlich etwas zurück, weil wir zunächst gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die weitere Finanzierung des Unternehmens sichern müssen“, erklärte Boehme in einer Mitteilung. Er zeigt sich aber optimistisch: „Aufgrund unserer klaren Fortschritte und Erfolge, die wir in den letzten Monaten nachweisen konnten, haben wir beste Voraussetzungen, um aus dem Insolvenzverfahren gestärkt hervorzugehen und unsere Mondmission wie geplant umzusetzen.“
Auf Nachfrage wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht zum Ausmaß der Verzögerung äußern. „Es ist noch zu früh, das zu sagen.“ Momentan liefen Gespräche zwischen dem Insolvenzverwalter und weiteren Wagniskapitalgebern. „Wir sind daran interessiert, mit weiteren Investoren zu sprechen.“
Jarzombek kündigt neue ESA-Strategie an
Thomas Jarzombek (CDU), der Raumfahrt-Koordinator der Bundesregierung, sieht trotz der Insolvenz Chancen für das Startup. „Wir wollen die Strategie der USA adaptieren und mehr Aufträge an New-Space-Unternehmen vergeben.“ Weiter sagte der Bundestagsabgeordnete: „Es ist für Unternehmen wie PTScientists wichtig, dass es für sie ein Auftragsvolumen gibt.“ Bei der Ministerratstagung der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA im November 2019 sollen nach Jarzombeks Worten verstärkt Aufträge an europäische New-Space-Unternehmen vergeben werden. „Wir wollen New-Space-Unternehmen in die Lage versetzen, Produkte zu entwickeln, die für die Industrie spannend sind“, sagte Jarzobek.

PTScientists:

Ein Berliner New-Space-Startup auf dem Weg zum Mond

Gemeinsam auf den Mond – das wollen das Startup PTScientists und der Raumfahrtkonzern Ariane Group. Sie haben jetzt eine Zusammenarbeit für Mond-Missionen vereinbart.

„Die PTS-Situation basiert auf Fehlern der Management-Ebene und ist nicht auf das internationale Marktinteresse zurückzuführen“, vermutet New-Space-Investor Sebastian Straube von Interstellar Ventures. Er spricht sich für eine Umstrukturierung und „eine sehr klare geschäftliche Ausrichtung“ aus. Fraglich ist aus Straubes Sicht, ob Deutschland der richtige Ort für diesen Neuanfang sei.
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PTScientists gilt als das Aushängeschild der deutschen New-Space-Szene. Es entwickelt seit 2008 einen Mond-Rover und die Raumfähre Alina, die erstmals 2021 zum Mond starten soll. Das Startup ist das einzige Unternehmen in Europa, das über ein Mondlandegerät in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium verfügt. PTScientists kooperiert mit einer Reihe von Industrie-Partnern wie der ArianeGroup sowie Raumfahrtorganisationen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. PTScientists beschäftigt derzeit etwa 60 Mitarbeiter in Berlin, Salzburg (Österreich) und Houston (USA).
Das Amtsgericht Charlottenburg hat den Rechtsanwalt Sascha Feies von der Kanzlei Görg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. 

Interstellar Ventures:

Mit 100 Millionen will ein Berliner Investor Raumfahrt-Startups großmachen

Startups im Bereich New Space haben es in Deutschland schwer. Wenige Investoren interessieren sich für den Markt. Ein Berliner Raumfahrt-Enthusiast will das ändern.

Bild: PTScientists