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Otto Wilde Grillers: Wie diese Gründerin mit Luxus-Grills einen Millionenumsatz macht

Julia Wilde leitet beim Grill-Startup das Marketing.
Es ist Sommer und die Deutschen holen ihre Grills raus: die kleinen Einwegqualmer vom Discounter oder das gasbetriebene Luxusgerät. Im gehobenen Grillmarkt will auch das Jungunternehmen Otto Wilde mitmischen. Gründerin Julia Wilde verlangt für ihren Oberhitzegrill etwa 1.000 Euro – mit Erfolg. Das Startup setzte zuletzt einen mittleren siebenstelligen Betrag um.
Die 33-Jährige startete das Grillunternehmen gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern. Die Idee stammt von ihrem Schwiegervater und Namensgeber Otto Wilde. Im April 2016 nahm das Startup bei Kickstarter 300.000 Euro ein, angestrebt waren 90.000 Euro. 2017 war das Unternehmen bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ zu sehen, bekam aber kein Investment. Inzwischen arbeiten 25 Mitarbeiter für die Firma. Sie unterhält Büros in Düsseldorf und New York.
Julia, ihr habt zu Anfang knapp zwei Jahre alles selbst finanziert, 2016 dann Geld über Kickstarter eingesammelt. Warum?
Weil unser Produkt sehr kostenintensiv ist. Wir brauchten das Geld, um unsere CE-Zertifizierung abzuschließen, unsere Vorserie zu realisieren und dann in die Serienproduktion zu gehen.
Kickstarter hat den Ruf, dass Produkte nie oder deutlich verspätet ausgeliefert werden. Wie war das bei euch?
Wir haben geliefert, aber etwa drei Monate später. Wir wollten im Juli 2016 ausliefern, haben es aber erst zu Oktober geschafft.
Wie kam es zu der Verzögerung?
Wir waren anfangs zu optimistisch, wie schnell die Produktentwicklung abgeschlossen sein würde. Man produziert eine Vorserie und stellt fest, dass eine Schraube nicht passt und solche Dinge. Das hat alles etwas verzögert. Wir wollten ein Produkt ausliefern, das wirklich fertig ist und keinen Schnellschuss.

Die Höhle der Löwen:

Grill-Startup Otto Wilde will bei den Löwen punkten

Mit einem neuen Grill will das Startup Otto Wilde Grillers bei der Höhle der Löwen punkten. Das Ziel: das perfekte Steak.

Wie haben eure Unterstützer darauf reagiert?
Das war eine internationale Kampagne. Die Amerikaner waren tiefenentspannt und die Deutschen waren teilweise sehr ungeduldig. Diese Unterstützer sind aber auch heute noch unsere loyalsten Kunden.
Was heißt das konkret? Sind sie weiterhin zahlende Kunden?
Sie kaufen Produkte, aber haben beispielsweise auch Fanclubs gegründet, tauschen sich aus und empfehlen uns weiter. Wir gehen manchmal für Feedback auch auf sie zu.
Ihr habt damals mit dem Grillblogger Thorsten Brandenburg von BBQPit zusammengearbeitet, hat das etwas gebracht?
Das hat massiv geholfen, weil wir sehr schnell in die Griller-Community hineingekommen sind. Auch andere Blogger haben sich dadurch über unsere Kickstarter-Kampagne unseren Grill gekauft.
Wie sieht diese Griller-Community aus?
Das sind Leute, die leidenschaftlich gerne grillen und das teilweise sogar zu ihrem Beruf gemacht haben. Es gibt inzwischen viele Grill-Blogger und -Influencer. Sie sind sehr aktiv auf unterschiedlichsten Kanälen und haben mit ihrer Reichweite einen großen Einfluss. Ihr Feedback zu unseren Produkten ist außerdem sehr wichtig für uns. Einmal im Jahr laden wir sie zu einem Blogger-Event ein, haben zusammen neue Grills gebaut oder sind nach Mallorca gefahren. Mittlerweile sind daraus Freundschaften entstanden.
Eure Grills kosten etwa 1.000 Euro. Wie sehen eure Kunden aus?
Unsere Zielgruppe ist sehr männlich, sie nimmt das Grillen sehr ernst, hat oft mehrere Grills – und da gehört ein Oberhitzegrill dazu. Wir haben aber auch viele Kunden, die nicht Grillfans sind, aber viel Wert auf gutes Essen legen und für ein gutes Stück Fleisch auch viel Geld ausgeben. Mit unserem neuen Elektrogrill sprechen wir zudem eine Zielgruppe an, die ihn als Küchengerät nutzt.
Wie habt ihr nach dem Verkaufsstart 2016 für Aufmerksamkeit gesorgt?
Wir haben viel Online-Marketing gemacht, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Wir haben viele neue Kooperationen angefangen, sind zu Events gegangen, wie Grill-Meisterschaften, um Kunden zu treffen und Feedback einzuholen. Und dann kam „Die Höhle der Löwen“.

2017 seid ihr zu „Die Höhle der Löwen“ gekommen. Wie hat das geklappt?
Sie haben uns angesprochen, ob wir dort mitmachen wollen. Und wir haben die Möglichkeit natürlich ergriffen. Das ist eine tolle Chance. Wir mussten dann an einem Casting teilnehmen, um zu zeigen, dass wir vor der Kamera auftreten können.
Wie hat sich die Ausstrahlung von Die Höhle der Löwen auf euren Erfolg ausgewirkt?
Die mediale Aufmerksamkeit dadurch war natürlich gigantisch. Auch wenn wir da keinen Deal gemacht haben, hat es uns extrem geholfen.
Hast du konkrete Zahlen?
Wir hatten an dem Tag der Ausstrahlung 100.000 Nutzer auf unserer Webseite. Unser Produkt ist mit 1.000 Euro aber kein Impulskauf. Unsere Kunden haben also nicht unbedingt direkt an dem Abend den Grill gekauft. Aber wir konnten den Effekt von DHDL noch bis zu zehn Monate nach Ausstrahlung sehen.
Wie habt ihr diese Leute dann an euch gebunden, wenn sie nichts direkt gekauft haben?
Wir hatten an dem Abend ein Gewinnspiel veranstaltet, wo ein Grill zu gewinnen war. Da haben wir tausende E-Mail-Leads für unsere Newsletter-Listen bekommen. So konnten wir verfolgen, wann die Leute etwas gekauft haben.
Hattet ihr euch einen Deal und damit das Löwen-Investment erhofft?
Nein, eigentlich nicht, wir sind aus dem eigenen Cash Flow gewachsen. Und damit ging das auch gut so weiter. 2018 haben wir aber einen Angel-Investor zu uns geholt, um das Wachstum zu beschleunigen, besonders in den USA, wo wir viel Geld in die Hand nehmen müssen.
Wie verteilt sich euer Umsatz auf Deutschland und die USA?
Der verteilt sich genau gleich. Im vergangenen Jahr haben wir in den USA mit Amerikas bekanntestem Metzger eine Kooperation gestartet und mit Marketing beworben. Das hat uns extrem geholfen, weil seine Zielgruppe für uns sehr relevant und er sehr gut verdrahtet ist. Wir versuchen unseren Fokus jetzt auf die USA zu legen.
Und wie wollt ihr in Deutschland wachsen?
Tatsächlich muss man in Deutschland anders werben als in den USA, dort gibt es diese Produktkategorie noch gar nicht. In Deutschland ist der Markt weiter. Selbst bei Aldi gibt es inzwischen Oberhitzegrills für unter 150 Euro. Wir versuchen dadurch hierzulande neue Zielgruppen anzusprechen, wie jetzt mit dem Elektrogrill.
Gestartet seid ihr mit der Erfindung von Namensgeber Otto Wilde. Wie professionalisiert seid ihr inzwischen?
Otto ist immer noch für die gesamte Produktentwicklung verantwortlich, gemeinsam mit seinem Sohn und meinem Schwager Nils. Er baut aber nicht selber Grills zusammen: Unser Grill wird gemeinsam mit Partnern in Deutschland hergestellt. In Düsseldorf haben wir eine kleine Montage. Wir wickeln hier auch Retouren ab – die bei uns unter ein Prozent liegen.
Werden eure Neuentwicklungen weiterhin hochpreisige Angebote sein?
Ja. Wir werden nicht den 200-Euro-Oberhitzegrill herausbringen.
Wie hat sich deine Rolle in dem Familienunternehmen seit dem Start geändert?
Zuallererst bin ich eine Wilde geworden. (lacht) Meine Rolle hat sich extrem geändert. Wenn ich darüber nachdenke, wie wir vor drei Jahren noch zu viert im Büro saßen… Jetzt sind wir eine richtige Firma mit 25 Mitarbeitern und zwei Büros in Düsseldorf und New York. Inzwischen führe ich ein Team und bin dafür verantwortlich, dass wir die Produkte auch verkaufen.
Dieser Artikel erschien zuerst am 5. Juni 2019.
Bild: Otto Wilde Grillers