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Passauer Startup: Wird Mymuesli bald verkauft?

Halten ihre Anteile an Mymuesli über die „Die Jungs GmbH“: Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau
Das Passauer Startup Mymuesli gehört zu den frühen Erfolgsgeschichten der deutschen Startup-Szene. Vor 12 Jahren gegründet, haben die früheren Studienfreunde Max Wittrock, Hubertus Bessau und Philipp Kraiss mit dem Müsli-Startup gezeigt, dass sich Lebensmittel auch übers Netz verkaufen lassen und dass Potenzial in der Individualisierung steckt: Ihre Idee von der Müslimischung auf Wunsch der einzelnen Kunden ging auf. Seit einigen Jahren setzen die drei Gründer auch auf den stationären Vertrieb mit eigenen Ladengeschäften. Das hat Geld gekostet und für rote Zahlen beim Passauer Unternehmen gesorgt.
Wie die Lebensmittelzeitung (Paywall) berichtet, sondiert die Investmentbank Harris Williams im Auftrag der Gesellschafter nun Optionen für den Verkauf des Passauer Startups. Die Mymuesli-Gründer bestätigen auf Nachfrage, dass Mymuesli mit der Frankfurter Beratungsfirma zusammenarbeitet. „Wir hatten mit vielen verschiedenen Unternehmen und Interessenten über die letzten Jahre und aktuell Kontakt“, lassen sich die Gründer zitieren. Auf konkrete Namen und Gerüchte wollen sie dabei aber nicht eingehen – dem Bericht zufolge sollen PepsiCo und Unilever Interesse signalisiert haben.
Vom Mymuesli-Trio heißt es auf Nachfrage weiter, dass die „Gesellschafter derzeit weder planen, Anteile zu verkaufen, noch eine neue Kapitalerhöhung durchzuführen“. Gleichzeitig räumen Wittrock, Bessau und Kraiss ein: „Wir haben bei Mymuesli noch nie länger als ein bis zwei Jahre in die Zukunft geschaut.“ Und sie schließen nichts aus: Weder einen neuen Investor noch das Ausscheiden der Gründer, weil sie etwas Neues machen wollen oder „weil andere besser geeignet sind, ein großes Unternehmen zu steuern“. All das sei irgendwann möglich. Aber sie betonen auch: Noch sei es nicht soweit.

MyMuesli-Gründer:

„Man sollte sich nicht zu früh unter Wert verkaufen“

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Der 2016 mit 40 Prozent eingestiegene Gesellschafter Genui, ein mittelständischer Fonds aus Hamburg, müsse mit seiner Investition zwar auch eine Rendite erwirtschaften. Dessen seien sich die drei Gründer, die die verbleibenden 60 Prozent halten, von Beginn an bewusst gewesen. „Aber das muss nicht zwingend über einen Verkauf aller Geschäftsanteile erfolgen“, entgegnen sie.
Bei der Geschäftsentwicklung sehen sich Wittrock, Bessau und Kraiss voll im Plan. Für 2018 hatte der Müslianbieter im vorhergegangenen Jahresabschluss einen operativen Gewinn von zwei Millionen Euro prognostiziert – nach einem Minus von 700.000 Euro im Jahr 2017. „Allein unser Online-Kanal, der mit Abstand größte Sales-Channel von Mymuesli, ist von 2017 auf 2018 über 20 Prozent gewachsen.“ Und auch in diesem Jahr sei das Unternehmen online und in allen Kanälen „voll im Plan“. Ob dennoch eine Zurückbesinnung auf das reine Online-Geschäft geplant sei, wollen sie nicht kommentieren.

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Allerdings lässt sich eine klare Tendenz erkennen, zuletzt wurden viele unprofitable Geschäfte geschlossen: Aktuell betreibt das Startup nach eigenen Angaben 29 eigene Läden, 2017 waren es noch 51. Auch die Auslandsexpansion hatte beim Passauer Unternehmen mitunter für negative Sondereffekte gesorgt. Etwa war für ein Investment in Schweden eine Abschreibung in siebenstelliger Höhe notwendig. Es stellt sich also die Frage, wie lange Mymüsli noch wachsen kann. Noch ist der gut funktionierende Online-Shop aber ein beträchtliches Asset des Müsli-Startups. Und etwas, was traditionelle Food-Konzerne sicherlich neidisch machen könnte.
Bild: Mymuesli