- Karriere, Perspektive

Potsdamer Hochschule: Das steckt hinter der Exponential University, die nun offiziell startet

Ein Blick in die noch leere Exponential University: Im Hochschulgebäude in Potsdam sollen ab April die ersten Studiengänge starten
Digitales an der ersten Uni mit komplett digitalen Studiengängen lernen – und das vor der Kulisse des Films LaLaLand auf dem Babelsberger Filmgelände. So wirbt Adrienne Fischer für die XU Exponential University, deren Geschäftsführerin sie ist. Dort sollen ab April die ersten jeweils 20 Studenten ihren Bachelor in „Digital Business“ oder „Coding and Software Engineering“ machen können. Andere Kurse sollen im Herbst folgen, etwa für Marketing and Social Media oder Data Science, auch Master-Studiengänge seien geplant.
Das Angebot der XU richte sich an junge Studenten, sagt Fischer, aber auch an interessierte Manager aus unterschiedlichen Ebenen. Was die Studiengänge digital macht? Es gehe zwar auch um Präsenz vor Ort, sagt Fischer, aber nicht nur. Die XU wolle darüber hinaus unterschiedliche E-Learning Modelle anbieten, etwa auf Basis von Podcasts. Durch die Arbeit in kleinen Gruppen soll das Studium individueller sein als an anderen Hochschulen.
Von anderen jungen privaten Hochschulen wie der von Thomas Bachem gestarteten Code-University will sich die XU vor allem durch eine geringere Fokussierung absetzen. So könnten sich an der XU Gründerteams aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenfinden, betont Fischer. Solchen Teams wolle die Hochschule auch Beratung anbieten. Alle, die kein eigenes Unternehmen starten wollen, lockt die XU mit einer Jobgarantie. Dass die Bewerber am Ende tatsächlich einen Job bekommen, könne die XU allerdings nicht sicherstellen, sagt Fischer. Sollte kein Job an einen Studenten vermittelt werden können, wolle die Hochschule bis zu 25 Prozent der Studiengebühren zurück zahlen.
Klett Campus als strategischer Investor
Das Studium an der privaten Universität ist auch nicht ganz billig. 30.000 Euro werden für einen Bachelor fällig, 20.000 Euro kostet ein Master. Die Studiengänge können entweder in Vollzeit (drei Jahre für den Bachelor beziehungsweise zwei Jahre) für den Master oder in Teilzeit  (vier beziehungsweise drei Jahre) absolviert werden. Die XU sei dabei vom Land Brandenburg als Hochschule anerkannt, betont Fischer, genau wie die beiden zunächst angebotenen Bachelor-Studiengänge.
Finanziert wird die XU unter anderem von Klett Campus, laut Handelsregister hält die Verlagstochter 49,9 Prozent an der XU Exponential University of Applied Sciences GmbH. Weiterer größerer Gesellschafter ist mit 34,28 Prozent der Anteile Prof. Dr. Wilfried Bergmann, Mitglied des Vorstandes des Petersburger Dialogs. Für den Hauptgesellschafter, der an weiteren privaten Universitäten beteiligt ist, werde die XU digitale Studiengänge entwickeln, so Fischer.
Derzeit würden fünf Professoren für die Hochschule berufen. Um wen es sich dabei handelt, verrät die XU-Geschäftsführerin allerdings nicht. Als Dozenten werden unter anderem Szene-Köpfe wie der frühere Studi-VZ-Chef Michael Brehm, Xing-Gründer Lars Hinrichs, Startup-Investor Dominik Matyka oder der frühere Rocket-CTO Ronny Rentner auf der Webseite der XU aufgeführt.  
Früherer EBS-Leiter ist Initiator
Initiator der XU Exponential University ist Christopher Jahns. Der frühere Leiter der EBS Hochschule für Wirtschaft und Recht hatte sein Amt nach zehn Jahren im Zusammenhang mit einem Untreue-Prozess räumen müssen. Das Verfahren ruht seit 2014, es könnte aber bald wieder aufgenommen werden, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Jahns hatte stets seine Unschuld beteuert, bei den Ermittlungen hatte es eklatante Fehler gegeben. Zuletzt hat Jahns über die von seiner Frau geführte XU Exponential Game Changers GmbH Management-Trainings zum Thema Digitalisierung für große Mittelständler und Konzerne angeboten. Daraus sei auch die Idee für eine Universität entstanden, sagt Jahns. Am operativen Geschäft der XU sei er allerdings nicht beteiligt.
Eigentlich war der Start der XU schon etwas früher geplant, wie Jahns im Gespräch mit Gründerszene im Sommer 2017 ankündigte. Medienberichten, dass die Hochschule zunächst in Berlin keine Zulassung bekommen habe und deshalb nach Brandenburg umgezogen sei – das Hauptbüro ist derzeit in Berlin –, widerspricht die Geschäftsführung. Zur Beantragung einer staatlichen Anerkennung in der Hauptstadt sei es gar nicht gekommen: Einen Termin zur Besprechung der eingereichten Dokumente für eine vorherige Konzeptprüfung, durchgeführt vom Akkreditierungsausschuss des Wissenschaftsrates, habe es nie gegeben. Stattdessen habe man die Ablehnung eines Antrags erhalten, der jedoch nie gestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt sei bereits klar gewesen, dass die XU die staatliche Anerkennung in Brandenburg anstreben würde.
Bild: XU University