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Privatsphäre: Facebook weist Sicherheitsbedenken wegen Libra zurück

US-Verbraucherschützer wollen wichtige Fragen zum Datenschutz bei Facebooks Kryptowährung Libra geklärt sehen.
Um Bedenken wegen seiner selbstentwickelten Kryptowährung Libra zu zerstreuen, hat sich Facebook an die US-Regierung gewandt. Das Unternehmen werde sich „die Zeit nehmen, alles richtig zu machen“, heißt es in einem Schreiben, aus dem die US-Zeitung The Hill zitiert. Verfasst wurde es vom Chef der kürzlich gegründeten Facebook-Tochter Calibra, David Marcus. Der zeigt sich in seinem Brief verständnisvoll gegenüber der Kritik. Am 17. Juli ist eine Anhörung vor dem US-Senat geplant.
Das Schreiben ging an die Abgeordnete und Vorsitzende des US-Finanzausschusses Maxine Waters. Die Demokratin hatte in der vergangenen Woche in einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg erneut einen Stopp des Libra-Projekts gefordert. Die Begründung: Sicherheitsbedenken. Ohne eine ausreichende Aufsicht könne die geplante Kryptowährung die „US-amerikanische und globale Finanzstabilität gefährden“, schrieb Waters.
Facebooks Vergangenheit fördert Misstrauen
Datenschutzskandale wie der Fall Cambridge Analytica würden zeigen, dass diese Bedenken berechtigt seien, so Waters. Deshalb forderte sie Facebook auf, „die Umsetzungspläne einzustellen, bis die Aufsichtsbehörden und der Kongress Gelegenheit haben, diese Fragen zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen“.
Waters verfasste ihr Schreiben nach einer Reihe von Protesten unterschiedlicher US-Verbraucherschutzgruppen. Diese forderten Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden in der vergangenen Woche auf, einen Stopp des Libra-Projekts zu verhängen, bis wichtige Fragen zum Datenschutz geklärt seien. Die Briefe seien an Kongressausschüsse und Aufsichtsräte gegangen, schreibt The Hill.
Libra-Chef Marcus antwortete: „Wir wissen, dass Ideen für ihre Umsetzung Zeit benötigen und dass politische Entscheidungsträger wichtige Fragen aufwerfen. Wir wissen auch, dass wir das nicht alleine schaffen können.“ Deshalb brauche Facebook die Rückmeldung von Regierung, Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und andere Interessensgruppen, so Marcus.
Widerstand gegen Libra auch in Europa
Seit der Mitteilung, seine eigene Kryptowährung zu schaffen, stößt Facebook nicht nur in den USA auf Widerstand. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire plädierte für eine stärkere Kontrolle von Technologieunternehmen. „Dieses Geldmittel wird es Facebook ermöglichen, Abermillionen Daten zu sammeln, was meine Überzeugung bestärkt, dass es notwendig ist, die digitalen Giganten zu regulieren“, sagte er.

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Die Pläne für Libra sollten Aufsichtsbehörden in Alarmbereitschaft versetzen, gab auch der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) zu bedenken. Die Europäische Kommission müsse daher rasch mit der Arbeit an rechtlichen Rahmenbedingungen für Kryptowährungen beginnen.
Libra wird von mehreren internationalen Unternehmen wie Mastercard und Uber unterstützt. Der Start der Kryptowährung ist für das kommende Jahr geplant. Das Ziel ist es laut Facebook, Transaktionskosten zu senken und den Zugang zum Finanzsystem für Entwicklungsländer zu erleichtern.
Bild: Chesnot / Getty Images