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Ratgeber: „Die CEO-Rolle war nicht das, was ich erwartet habe“

Laut einer Umfrage haben Geschäftsführer großer Unternehmen ihr Arbeitspensum und Aufgabengebiet falsch eingeschätzt.
Kaum einer wird als Führungskraft geboren, manche Gründer werden aber in nur wenigen Wochen zum Chef von zehn, 50 oder gar 100 Mitarbeitern – ohne sich darauf vorbereiten zu können. Die beiden Unternehmensberater Neal Kissel und Patrick Foley haben daher 20 ehemalige und noch amtierende CEOs der Banken HSBC sowie Standard Chartered und weiteren großen Unternehmen gefragt, wie sie mit dem Job anfangs klargekommen sind. Die Ergebnisse haben sie im Forbes-Magazin veröffentlicht. 
„Die CEO-Rolle war nicht das, was ich erwartet habe“, sagte dabei etwa die Hälfte der Führungskräfte. Das liege unter anderem daran, dass die Manager die Arbeit völlig falsch eingeschätzt hatten. Sie dachten, das Arbeitspensum sei einfach nur das Doppelte von dem, was sie vorher erledigen mussten, heißt es im Forbes-Magazin. Dabei sei der Job komplett unterschiedlich zu früheren Anstellungen. Außerdem hätten die Chefs zu viel Zeit mit kleinen Dingen verschwendet anstatt Aufgaben auf andere zu übertragen. Und: Die Befragten hätten sich zu wenig auf die wichtigen Stakeholder wie Investoren, Kunden und Medien konzentriert, sondern mehr auf die finanziellen Ziele.
Die Unternehmensberater haben diese Probleme zum Anlass genommen, Ratschläge für künftige Geschäftsführer auszuarbeiten, wie zum Beispiel:
Strukturiere deine Position und deine Aufgaben. Themen mit niedriger Priorität sollten an andere Personen abgegeben werden. Geschäftsführer sollten nur die wichtigsten Sachen erledigen, aber stets einen Überblick über die verschiedenen Geschäftsbereiche behalten. Die dadurch frei gewordene Zeit sollten CEOs verwenden, um eine gute Beziehung mit ihren Gesellschaftern aufzubauen. Kissel und Foley empfehlen, bis zu 30 Prozent der Arbeitswoche dafür zu verwenden.
Spiele Informationen mit Bedacht aus. Gründer sollten den Informationsfluss innerhalb des Unternehmens und nach außen im Blick behalten. Auf diese Weise könnten sie kontrollieren, wie andere Personen kurzzeitige Ergebnisse interpretieren – nämlich möglichst nicht so, dass die langfristige Vision des Unternehmens dadurch beeinträchtigt wird.
Sei ein Mentor, kein Bestimmer. Chefs sollten so schnell wie möglich ein kompetentes Team zusammenstellen. Die Mitarbeiter sollten sich auch trauen, Fragen zu stellen – und nicht erst Probleme ansprechen, wenn es zu spät ist.

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Bild: 10’000 Hours / Getty Images