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Starke Kursverluste: Warum Startups nicht an die Börse gehören

Sich für die Börse schick machen – in den meisten Fällen ist das für Startups der falsche Weg.
Home24, Windeln.de, The Naga Group, Westwing, Rocket Internet – alles bekannte Startups, die eines gemeinsam haben: Sie sind an die Börse gegangen und ihr Kurs ist seit dem IPO in den Keller gesackt. Dass nun Oliver Samwer offenbar darüber nachdenkt, seine Startup-Fabrik wieder von der Börse zu nehmen, ist deswegen kaum verwunderlich: Das Herumexperimentieren mit Geschäftsmodellen und die gegenwärtige Ideenlosigkeit sind nichts, was Börseninvestoren überzeugt. Die wollen eine Aussicht auf Gewinne und Dividenden haben.
Nun mag man argumentieren, dass Börsengänge mitunter deshalb „alternativlos“ sind, weil in entsprechenden Kapitalhöhen und Startup-Unternehmensphasen sonst sehr schwer an Geld zu kommen ist. Europäische VCs können hohe Summen meist nicht aufbringen und an große internationale Geldgeber kommen deutsche Startups zwar häufiger, aber immer noch zu selten heran.
Nur: Ein IPO kauft allenfalls ein wenig Zeit. Wenn das Börsengeld nach einigen Monaten verbrannt und der Kurs im Keller ist, weil die Umsätze nicht schon schnell steigen wie erhofft und Gewinne immer weiter in die Zukunft rücken, ergibt die Ausgabe neuer Aktien keinen Sinn. Es müssten also wieder private Investoren Kapital bereit stellen. Aber auch dafür werden die Bedingungen dann nur in Ausnahmefällen gut sein – falls sich nach dem Börsen-Fail überhaupt ein Investor findet.
Wenige Tech-Erfolgsgeschichten
Zalando ist eine der wenigen erfolgreichen Börsenstories. Das Tech-Unternehmen hat deshalb langfristig Erfolg auf dem Parkett, weil es seit dem IPO eine neue Erfolgsgeschichte erzählen kann: die Entwicklung zur Plattform. Zalando hat glaubwürdig sein Geschäft umgestellt, um den Verkauf von Schuhen oder Mode geht es nur noch vordergründig. Das Berliner Vorzeigeunternehmen hatte immer eine Erklärung parat, woher nach dem IPO neues(!) Wachstum kommen soll.
Mehr vom gleichen zu machen, dabei mit aberwitzigen Marktgrößen zu jonglieren und zu hoffen, dass die Börseninvestoren mitziehen – das funktioniert nicht. Es funktioniert auch deshalb nicht, weil viele ein falsches Bild vom Börsenhandel haben. Private Investoren setzten auf Teams, Ideen, Potenzial, Hoffnungen. Der weitaus größte Teil des Handels an der Börse wird allerdings längst von Algorithmen ausgeführt. Die investieren nicht in überzeugende Gründer und detaillierte Businesspläne, sondern in kurzfristige Kursentwicklungen.
All das macht deutlich, dass IPOs für Startups nur dann Sinn ergeben, wenn sie eigentlich keine mehr sind. Wenn sie also bereits eine stattliche Größe haben und dennoch eine glaubwürdige Wachstumsgeschichte erzählen können. Im schlimmsten Fall wollen die Gründer und frühen Investoren ihn dazu nutzen, „Kasse zu machen“. Dann wird im Unternehmen alles darauf getrimmt, zum IPO und wenigstens noch bis zur halbjährigen Haltefrist gut dazustehen.
Wie das Manager Magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, könnte das beim Möbelshop Home24 so stattgefunden haben. Dem Bericht zufolge wurde teures Marketing eingekauft, um vor dem IPO kurzfristig Wachstum zeigen zu können – sehr wohl wissend, dass dieses in den Folgequartalen einbrechen würde. Was dann auch geschah. Sich vor dem Börsengang ins bestmögliche Licht zu rücken, ist üblich. Doch Startups, die ohnehin ein hohes Risiko mitbringen, werden derart geschürte Erwartungen schnell zum Verhängnis, weil die Börseninvestoren bald die Geduld verlieren. Ikea abhängen zu wollen – von diesem Ziel ist Home24 jedenfalls weit entfernt.
Solche Entwicklungen sorgen zusätzlich dafür, dass die Anleger das ohnehin geringe Vertrauen in Tech-Unternehmen verlieren. Solange das Geschäftsmodell noch nicht bewiesen hat, dass es die Firma – und vor allem ihre weitere Entwicklung – tragen kann, ist ein IPO deshalb nicht der richtige Weg. Und das gilt für die allermeisten Startups.
Bild: Eekhoff Picture Lab / Gettyimages