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Tumblr-Verkauf: Reichweite und Wachstum alleine bringen nichts

Hatten mal große Träume: Tumblr-Gründer David Karp und Yahoo-Chefin Marissa Mayer
471,6 Millionen Blog-Konten, rund 400 Millionen Seitenbesuche im Monat, viele davon mobil und von jungen Nutzern – das klingt erst einmal nach Erfolg. Und das alles verkauft der derzeitige Besitzer Verizon für ein paar Millionen Dollar? Dabei war die Blogging-Plattform Tumblr bei ihrem Exit im Jahr 2013 ein Unicorn, 1,1 Milliarden US-Dollar bezahlte Yahoo damals für das dahinterstehende US-Startup. Wie kommt es von einer Milliardenbewertung zu einem Firmenwert von deutlich weniger als einem Prozent im Vergleich zu vorher?
Das Beispiel zeigt vielleicht besonders deutlich, wie wenig Wachstum und Reichweite mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun haben müssen. Die Chancen für die 2007 gegründete Plattform erschienen zunächst riesig. Durch soziale Funktionen wie das Rebloggen von Beiträgen können sich über Tumblr virale Inhalte verbreiten. Gleichzeitig lassen sich die eigenen Seiten individuell gestalten – eine angenehme Abwechslung zum Facebook-Einheitsblau.
Insgeheim gewachsen ist Tumblr durch die zahlreichen pornografischen Inhalte. Die hatte das Unternehmen jahrelang geduldet. Aus gutem Grund, sie haben der Plattform schnell zu einer großen Nutzerbasis verholfen. Doch immer stärker wurden auch die Shitstorms. Wegen der Filmchen und Bilder sowie wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Inhalten, die Kindesmissbrauch zeigen, wurde die App aus Apples App Store verbannt. Dass sich neben dem letztendlichen Käufer Automattic auch Pornhub für Tumblr interessierte, spricht Bände. Was für Facebook Hate Speech ist, ist für Tumblr NSFW (Not Safe For Work): ein Garant für Klicks. Trotz Verbots findet sich beides noch in Massen auf den Plattformen.

Milliardenübernahme:

Yahoo, bitte ruiniere Tumblr nicht!

Für stattliche 1,1 Milliarden US-Dollar übernimmt Yahoo den Bloggingdienst Tumblr. Beim Verschmelzen der Angebote muss der Internet-Riese vorsichtig sein.

Gescheitert ist Tumblr bislang daran, dass man es weder bei Yahoo noch bei Verizon verstanden hat, aus der beachtlichen Nutzerschaft Gewinn zu ziehen – und die Plattform sicherlich auch deshalb stiefmütterlich behandelt hat. Der Wertverlust ist die Konsequenz. Firmengründer David Karp hatte sich stets gegen Bannerwerbung ausgesprochen, das würden die Tumblr-Nutzer nicht akzeptieren. Da der Großteil der Nutzer über mobile Geräte auf die Blogs zugreift und Werbeanzeigen dort nicht besonders gut angenommen, mag er recht gehabt haben. Doch ohne Geld zu verdienen, hat „sein“ Unternehmen, das rund 200 Mitarbeiter beschäftigt und das er selbst Ende 2017 verlassen hat, nicht funktioniert. Spätestens jetzt hat sich gezeigt, dass Wachstum alleine noch kein Geschäftsmodell ist.
Währenddessen im Netz: Bei Ebay Kleinanzeigen hat man zumindest erkannt, wie sich mit Tumblr Geld verdienen lässt – durch Marketing.

2013 Yahoo kauft #Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar.Jetzt kauft WordPress Tumblr für unter 20 Millionen.Nächste Woche also bei uns. 150 Euro VB.
— eBay Kleinanzeigen (@eBay_KA) 13. August 2019

Bild: EMMANUEL DUNAND / Getty Images