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Zum Markteintritt: Was N26 vor dem US-Start unterschätzt hat – und was es jetzt erreichen will

Das Berliner Fintech N26 startete am Donnerstag sein US-Geschäft. Zunächst sollen 100.000 US-Kunden von einer Warteliste Zugriff auf ein Betaprodukt bekommen, sagt N26-Mitgründer und Geschäftsführer Valentin Stalf im Gespräch mit Business Insider. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren bereits häufiger einen US-Launch angedeutet, diesen jedoch immer wieder verschoben. 
„Wir haben die richtigen Rahmenbedingungen gebraucht, um auch schnell auf ein paar Millionen Kunden hochskalieren zu können“, so Stalf. Zu Beginn des Jahres hatten der New Yorker Risikokapitalgeber Insight Venture Partners sowie der Singapurer Investmentsfonds GIC zusammen mit anderen Investoren 260 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die globale Expansion von N26 zu stemmen.
N26 will in den USA eine Nische bedienen
N26 hat derzeit eigenen Angaben zufolge etwa 3,5 Millionen Kunden in 24 europäischen Ländern. Bereits 2018 war der Start in den USA geplant, N26 musste ihn jedoch verschieben. „Wir haben unterschätzt, wie schwer es ist, Talent im US-Markt zu finden, wenn man dort noch kein Produkt hat“, sagt Stalf.
Für den US-Markt sieht sich N26 jetzt jedoch gut gewappnet. Dort könne das Fintech die gleiche Nische bedienen wie in Europa. Hierzulande wendet sich N26 hauptsächlich an junge, digitalaffine Kunden. „Für die USA spricht, dass wir globale Trends schneller erkennen und unseren Kunden auch einen Zugang zu wichtigen Märkten liefern können“, sagt Stalf.
Auf Filialen wird, wie auch in Deutschland, verzichtet. Damit spart das Fintech Kosten, die es stattdessen in die User Experience der App stecken will. Die Kunden können von sieben Uhr morgens bis 23 Uhr abends über einen Chat mit Mitarbeitern in Kontakt treten – der Service wurde erst kürzlich erweitert.
Im März hatte Gründerszene einen Fall aufgedeckt, bei dem einem N26-Kunden 80.000 Euro von seinem Konto gestohlen worden waren und dieser tagelang den Kundenservice nicht erreichen konnte. Der Aufschrei war groß. Die Finanzaufsicht Bafin hatte in der Folge weitreichende Mängel festgestellt und Nachbesserungen gefordert, unter anderem was die Personalausstattung, das Management von ausgelagerten Aufgaben und die Technik betrifft. „Im vergangenen Jahr haben wir unseren Kundenservice weiter überproportional aufgebaut, so dass wir heute alle Anfragen im Durchschnitt in unter 30 Sekunden beantworten können“, sagt Stalf. „In den USA werden wir einen lokalen Kundenservice bieten. Kunden können sich via Chat, Email und anfangs auch per Telefon bei uns melden.“

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Einem N26-Kunden werden 80.000 Euro gestohlen – und die Bank ist überfordert

Das gefeierte Bank-Startup stellte erst kürzlich den Telefonservice ein. Bei schwerwiegenden Problemen der Kunden reagiert N26 nicht gut, wie mehrere Fälle zeigen.

USA: ein komplett anderer Markt für das Fintech?
N26 ist das erste europäische Fintech von dem Kaliber, das sich in die USA traut. Doch auch aus den USA ist noch kein Angebot aus diesem Segment nach Europa gekommen. „Bei US-Banken herrscht ein großer Respekt davor, nach Europa zu kommen, wo es 28 verschiedene Regulatoren und einen zersplitterten Markt gibt“, sagt Stalf. Das sei andersherum etwas einfacher, mit einem Regulator für einen Markt mit 350 Millionen potenziellen Bankkunden. Stalf: „Der US-Markt ist hinsichtlich Fintechs deutlich weiter entwickelt als der europäische. Es gibt dort schon heute einige Player, die Kundenzahlen im Millionenbereich vorweisen können. Diese sind aber eher in Nischen wie Trading, Investing und dem Kreditwesen unterwegs.“
Ist das ein Hinweis darauf, dass der US-Markt sich im Vergleich zum europäischen komplett anders verhält? Könnte es sein, dass das Kundenpotential gar nicht vorhanden ist für N26 und sich das Interesse in den USA in Grenzen hält? „Unsere letzte Finanzierungsrunden wurde von einem renommierten Fund aus New York angeführt. Das allein zeigt schon, wie hoch das Potenzial in den USA ist“, sagt Stalf. „In den USA ist deutlich mehr Wagniskapital verfügbar, trotzdem gibt es in den USA noch kein Startup, das ins klassische Retailbanking eingestiegen ist“, behauptet der Gründer. Tatsächlich gibt es aber direkte Konkurrenz: Das Bank-Startup Simple mit Sitz in Oregon ist mit einem ähnlichen Konzept wie N26 auf dem Markt.
N26 will 2020 fast eine Milliarde potentieller Kunden erreichen
Hinzu komme, dass mit Peter Thiel einer der namhaftesten US-Investoren an N26 beteiligt ist— indirekt über Valar Ventures hatte er gemeinsam mit Earlybird und Redalpine Anfang 2015 etwa zehn Millionen Euro investiert. Es war das erste deutsche Fintech, an dem Thiel sich beteiligt hat. Stalf will seinen Fokus zum US-Launch jedoch auf ein anderes Investment lenken. „Das Investment von Insight Ventures Anfang des Jahres steht aktuell für uns im Vordergrund. Es ist einer der angesehensten Risikokapitalgeber in den USA – das ist für uns eine wichtige Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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Der Expansionsplan von N26 geht strategisch über die Märkte mit den jeweils größten potentiellen Kundenstämmen. „Nach den USA wollen wir im kommenden Jahr Brasilien als nächsten Markt erschließen, dann hätten wir einen Markt mit 350 Millionen potentiellen Kunden in Europa, 350 Millionen in den USA und etwa 300 Millionen potentiellen Kunden in Brasilien“, sagt Stalf. Insgesamt wären das fast eine Milliarde potentielle Kunden für ein Produkt, das sich in erster Linie über Empfehlungen verbreitet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.
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Bild: N26